Warum zu lange Krallen die Biomechanik deines Hundes ruinieren
- Jeannette Rohner
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Viele Hundehalter betrachten das Schneiden der Krallen als rein kosmetische Angelegenheit oder als Schutz für den heimischen Parkettboden. Doch aus wissenschaftlicher Sicht sind überlange Krallen ein massiver Eingriff in die Statik und Biomechanik des Hundes. Was mit einem leichten „Klackern“ beginnt, endet nicht selten in chronischen Rückenschmerzen und Gelenkverschleiss.
Die Pfote als Präzisionsinstrument
Die Anatomie der Hundepfote ist auf maximale Effizienz und Stossdämpfung ausgelegt. Die Krallen dienen dabei als „Spikes“ für den Sprint und den Grip in Kurven. Im entspannten Stand sollten sie den Boden jedoch idealerweise nicht oder nur minimal berühren.
Sobald die Krallen zu lang werden, verändert sich die gesamte Hebelwirkung der Gliedmasse.
1. Der physikalische Hebeleffekt
Wissenschaftliche Analysen zur Kinematik (z. B. von Prof. Dr. Martin S. Fischer, Hunde in Bewegung) zeigen, dass eine verlängerte Kralle wie ein starrer Hebel wirkt.
Die mechanische Folge: Bei jedem Schritt drückt der Boden die Kralle nach oben. Dieser Druck überträgt sich direkt auf das Krallenbein (Os unguiculare).
Die Kettenreaktion: Um dem Schmerz im Nagelbett auszuweichen, verändert der Hund den Winkel der Zehengelenke. Dies führt zu einer permanenten Überstreckung (Hyperextension) der Sehnen.
2. Die myofasziale Fehlerkette: Von der Pfote in den Rücken
Der Hundekörper ist durch sogenannte myofasziale Ketten (Verbund aus Muskeln und Faszien) miteinander verknüpft.
Die tiefe Beugesehne verläuft von der Unterseite der Zehen über das Sprunggelenk bis hinauf zur Hinterhandmuskulatur bzw. über Karpalgelenk zur Schultergürtelmuskulatur.
Stehen die Zehen durch zu lange Krallen permanent steil, gerät diese Sehne unter Dauerzug.
Dieser Zug setzt sich bis in die Schulterregion, Beckenregion und die Lendenwirbelsäule fort.
Das Ergebnis: Der Hund kompensiert die Fehlstellung durch ein leichtes „Hohlkreuz“ oder ein Aufkrümmen des Rückens, um den Schwerpunkt zu verlagern.
Das sensorische Missverständnis im Gehirn
Hunde verfügen über eine hochkomplexe Propriozeption (Körperwahrnehmung). Nervenenden in den Pfotenballen und Gelenken melden dem Gehirn ständig, wie der Untergrund beschaffen ist.
Wenn die Krallen dauerhaft den Boden berühren, erhält das zentrale Nervensystem das Signal: „Achtung, wir befinden uns an einer Steigung!“ Der Hund reagiert instinktiv, indem er sein Gewicht nach vorne oder hinten verlagert, um eine (nicht vorhandene) Steigung auszugleichen.
Diese permanente Fehlbelastungen kann langfristig zu Arthrose in den Gelenken wie Ellbogen, Knie und Hüfte führen. Zudem leidet der Rücken von Rückenschmerzen bis zu langfristig Spondylose.
Wissenschaftlicher Rat:
Kürze die Krallen lieber häufiger in winzigen Schritten (1–2 mm), anstatt einmal radikal zu schneiden. So hat das „Leben“ (Blutgefässe) in der Kralle Zeit, sich zurückzuziehen.
Fazit Biomechanik zu lange Krallen
Krallenpflege ist aktive Gesundheitsvorsorge. Wer die Krallen seines Hundes kurz hält, schützt nicht nur das Sofa, sondern erhält die natürliche Biomechanik und damit die Lebensqualität seines Vierbeiners bis ins hohe Alter.

.png)



Kommentare